Die Gewerbeanmeldung...

... für Visagistik in Österreich

Nachdem ich in letzter Zeit oft Nachrichten mit Fragen zur Gewerbeanmeldung bekommen habe, dachte ich mir, dass ich einfach mal aus dem Nähkästchen plaudere... erm schreibe. Ich versuche nicht zu sehr zu schwafeln bzw ins Detail zu gehen ;) Bitte lyncht mich nicht, wenn die Infos nicht vollständig sind - ich bin keine Expertin.

Welche Art von Gewerbe ist die Visagistik?

Aaaalso - möchte man sich als VisagistIn/Make-up ArtistIn in Österreich selbstständig machen, so kann man nicht einfach zum Magistrat gehen und eine Firma gründen, denn es handelt sich um ein REGLEMENTIERTES Gewerbe. Die Visagistik ist ein Teilgewerbe der Kosmetik - Teilgewerbe deshalb, weil man als VisagistIn eben nur einen klitzekleinen Teil der Kosmetik ausübt, nämlich die DEKORATIVE Kosmetik. Um sich selbstständig machen zu dürfen, braucht man also nicht die gleichen Nachweise wie KosmetikerInnen (die ja eine Lehre von 3-3,5 Jahren durchlaufen).426195_352146841538943_420087587_n

Was braucht man also um sich als VisagistIn selbstständig machen zu dürfen?

Um ein Gewerbe anzumelden verlangt die MA 63 (Magistratsabteilung 63) eine individuelle Befähigung - ein "unabhängiges" Gutachten/einen Bescheid, worin belegt wird, dass man laut GutachterIn das Zeug dazu hat auf Menschen mit dem Pinsel los gelassen zu werden. Und falls ihr jetzt denkt, dass ihr das ohnehin in der Tasche habt, weil ihr eine Ausbildung zur diplomierten Visagistin/Make-up Artist in der Tasche habt, irrt ihr euch leider. Der schnellste und am Wenigsten Nervenaufreibene Weg ist der über eine Arbeitsprobe. Die Arbeitsprobe beinhaltet eine praktische Prüfung & Vorzeigen einer Fotomappe, die man bei der Landesinnung der Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure ablegt. Die Prüfung kostet derzeit 350 €. Möchte man sich das ersparen, kann man auch versuchen die MA63 von seinem Können und seinen Fähigkeiten mithilfe einer schriftlichen Erklärung, Portfolio,... etc. zu überzeugen - obs funktioniert oder nicht kommt wohl immer auf den/die SachbearbeiterIn an.

Bei reglementierten Gewerben muss man außerdem betriebswirtschaftliche Kenntnisse vorweisen - entweder man hat das Glück und hat eine Ausbildung, die in diese Richtung geht (zb HAK, HBLA,...) oder man muss einen "Unternehmerführerschein" machen - dazu kann ich euch leider nicht sonderlich viel sagen, da ich mir das dank meiner Rechnungswesenmatura erspart habe.

Wie genau läuft das Prozedere bei der Gewerbeanmeldung ab?

1. Unterlagen (Zeugnisse, Dokumente,...) zur MA 63 bringen/mailen/faxen,...b7a6c07b52fd25c0565dad8ea024b5e5 2. MA 63 schickt euch die Info, dass ihr ein Gutachten braucht und führt zwei Optionen an: Gutachten selbst durch Sachverständigen besorgen (wie man so jemanden, der Gutachten für den Bereich der Visagistik schreiben darf, findet, weiß ich nicht - die MA63 übrigens auch nicht) oder eben die Arbeitsprobe bei der Innung 3. Info an die MA 63 wofür man sich entscheidet 4. man erhält eine Liste mit PrüferInnen der Innung - sucht sich jemanden aus und vereinbart einen Termin für die Arbeitsprobe

Und wenn ich die Befähigung nun endlich habe?

Wenn du dann den Zettel in den Händen hältst, der hochoffiziell schwarz auf weiß bestätigt, dass du befähigt bist, den Pinsel zu schwingen, kannst du zum Gründerservice der WKO oder in dein Bezirksamt gehen und das Gewerbe anmelden.

Was gibt es sonst noch Wissenswertes?

Hattest du bisher kein Gewerbe angemeldet, fällst du in das Neugründungsförderungsgesetz (NeuföG) - eine tolle Sache, die einem viel Geld/viele Gebühren bei der Gewerbeanmeldung erspart. Diese Förderungen bekommt man allerdings nur, wenn man an einem kostenlosen Gründerworkshop teilgenommen hat - einfach beim Gründerservice der WKO nach Terminen fragen und anmelden, das könnt ihr auch jetzt schon machen - bevor ihr das erste Mal eure Unterlagen zur MA 63 schickt (also vor Schritt 1 beim Punkt Prozedere weiter oben). Als NeugründerIn und noch dazu JungunternehmerIn bekommt man übrigens viele tolle Förderungen - von Unternehmensberatung bis hin zu Krediten mit angenehmen Zinssätzen - am besten informieren.

So das wars mal so ganz grob - etwas trocken das Thema, aber hoffentlich für manche unter euch hilfreich. Ich weiß, das ist ein riesengroßes Thema und oft scheint alles ein bisschen Ausweglos und verwirrend - wendet euch doch an das Gründerservice der WKO, die Leute dort sind wirklich supernett und hilfsbereit und ja... so verwirrend ist der Papier -und Ämterdschungel dann gar nicht mehr.

Viel Spaß und Erfolg beim Gründen! ;)

Carina